Liebe Gemeinde!
Im Sonntagsevangelium spricht Jesus erneut zu seinem Vater. Er betet. Der Text stellt das Ende der sog. Abschiedsreden im Johannesevangelium dar. Jesus wendet sich an Gott und spricht über seine Jüngerinnen und Jünger. Über die Menschen, die bei ihm geblieben sind und über die, die noch ihren Weg gehen müssen: durch Zweifel, Verantwortung und Entscheidungen. Dieses Gebet aus dem Evangelium (Joh 17) ist leise und zugleich voller Tiefe. Jesus bittet nicht darum, dass alles leicht wird, sondern um Einheit, Halt und Bewahrung im Glauben. Das lässt mich gerade heute aufhorchen. Denn auch wir leben nicht in abgeschlossenen Räumen. Unser Glaube findet mitten im Leben statt. Zwischen Familie und Beruf, zwischen Verpflichtungen und Erschöpfung, zwischen Hoffnung und Fragezeichen. Einheit – das klingt groß. Bei Einheit denke ich jedoch nicht nur an die Einheit aller Glaubenden, sondern auch um die Einheit eines ganzen Landes. In einer Zeit, in der demokratiefeindliche Parteien an Zuspruch gewinnen und in denen das Wohl der Menschen an den Rändern unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung verliert, klingt das Wort „Einheit“ für manche vielleicht sogar überfordernd. Und doch beginnt sie ganz klein. Wo wir einander zuhören, uns nicht aus dem Weg gehen und wo wir miteinander unterwegs bleiben. Auch wenn wir Unterschiedliches denken oder fühlen. Mich tröstet der Gedanke, dass Jesus für seine Jünger betet, bevor sie ihren eigenen Weg gehen müssen. Nicht als Absicherung, sondern als Zusage: ihr seid nicht allein. Gott verliert euch nicht aus dem Blick. Vielleicht ist genau das der Kern dieses Evangeliums. Nicht die perfekte Gemeinschaft, nicht der makellose Glaube, sondern das Vertrauen, getragen zu sein. Ich wünsche uns allen, dass wir aus diesem Evangelium etwas mitnehmen dürfen: die Gewissheit, dass wir im Gebet gehalten sind. Dass unser Glaube nicht aus uns selbst lebt. Und dass Einheit dort beginnt, wo wir einander mit Wohlwollen begegnen.
Ihr Pastoralassistent und Diakon Daniel Werner










