Liebe Gemeinde!
„Aus, aus, aus, aus. Das Spiel ist aus!“ 1954 ging der Satz der legendären Radio-Reportage von Herbert Zimmermann weiter mit: „Deutschland ist Weltmeister!“ Heute reicht es nur zu Platz 17-32 und die Nationalelf wird von Vielen als die Deppen der Nation angesehen. Verloren gegen Paraguay. Die erste deutsche Mannschaft, die es geschafft hat, bei einer WM ein Elfmeterschießen zu verlieren. Das Spiel ist aus, zumindest für „uns“. Auf die Frage, ob Deutschland im Fußball nur noch zweitklassig sei, antwortete der sonst erstklassige Spieler Kai Havertz mit: „Wahrscheinlich, ja.“ Diese Erkenntnis müssen die vielen Fußball-Fans in Deutschland erst einmal verdauen. Das Eingeständnis des Misserfolgs, des Scheiterns gehört jedoch zu den schwierigeren Dingen im Leben. Niemand ist gerne der Verlierer, und dennoch liegt es in der Natur der Sache, dass es immer viel mehr Verlierer (alle anderen) als Gewinner (nur einen) gibt. Mit dem Verlieren gut umzugehen, sollte daher doch eigentlich nicht so schwer sein, weil wir alle es regelmäßig üben… Zwei Dinge scheinen mir beim Umgang damit besonders wichtig: Auf jemandem, der am Boden liegt, muss man nicht noch drauftreten. Sondern ihm aufhelfen. Diese Haltung drückt sich auch im Evangelium dieses Sonntags aus, dass die Fußballer direkt anzusprechen scheint: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ Wenn es jemandem schlecht geht, kann es für uns Christen nicht darum gehen, noch Salz in die Wunde zu streuen oder besserwisserisch zu meinen, dass man es ja schon immer gewusst hat. Sondern es geht darum Trost zu spenden, Mut zu machen, zu stärken. Das gilt für jeden Menschen, der – woran auch immer – gescheitert ist. Weitaus schwieriger ist der zweite Punkt, nämlich eine Antwort auf die Frage zu finden: Was ziehe ich für Konsequenzen aus dem Scheitern? Denn wer so auf die Nase gefallen ist, wie es bei unseren Fußballern der Fall war, kann ja nicht einfach so weitermachen wie vorher, als ob nichts gewesen wäre. Wie sollte es dann eine Veränderung geben? Eine Umkehr? Viele biblische Geschichten erzählen genau davon, wie Menschen an einem Tiefpunkt einen neuen Weg einschlagen. Das gilt für unsere großen und kleinen Krisen genauso wie für die Fußballer. Oder um es mit den Worten der Sängerin Uta Köbernick in ihrem grandiosen Lied „Scheitern“ zu sagen: „Wo nähme ich denn meine ganze Kraft her, wenn das Scheitern nicht wär‘?“
Ihr Pastoralreferent Hendrik Werbick










