Liebe Gemeinde!
Wie offenbart sich Jesus heute? In Johannesevangelium 21,1-14, dem Evangelium von heute, offenbart sich Jesus leise – im Morgengrauen, unerkannt, während müde Jünger tun einfach, was sie kennen. Wir sind nicht immer auf Sinnsuche; oft versuchen wir einfach, den Tag zu überstehen. Die Auferstehung ist geschehen, und doch bleiben die Netze leer. Der Glaube ist da, aber die Kraft fehlt. Wenn wir müde oder enttäuscht sind, verengt sich unsere innere Welt. Psychologisch sinkt unsere Aufmerksamkeit, geistlich unsere Erwartung. Wir funktionieren, statt zu fragen. Das ist kein Glaubensversagen, sondern menschliche Erfahrung – und genau dort erscheint Jesus: nicht in Stärke und Klarheit, sondern am Rand von Routine und Erschöpfung. Jesus beginnt mit einer sanften, beunruhigenden Frage: „Ihr habt keine Fische, oder?“ Er benennt die Leere ohne Vorwurf. Bevor er Fülle schenkt, lädt er zur Ehrlichkeit ein. Auch heute offenbart sich Jesus oft dort, wo wir zugeben, was nicht gelingt und was wir nicht selbst reparieren können. Dann folgt eine schlichte Aufforderung: „Werft das Netz auf der anderen Seite aus.“ Keine Erklärung, keine Garantie. Ein kleiner, verletzlicher Schritt des Vertrauens – nach einer langen Nacht des Scheiterns. Erst danach erkennen die Jünger ihn. Einsicht folgt dem Handeln; Klarheit kommt später. Schließlich bereitet Jesus das Frühstück zu. Kein Tadel, keine Prüfung – nur Gegenwart und Nahrung. Der Auferstandene erscheint nicht als Problemlöser, sondern als einer, der bleibt und Beziehung erneuert. So offenbart sich Jesus auch heute: in ehrlicher Selbsterkenntnis, in der Aufmerksamkeit für kleine Einladungen und in Fürsorge, die uns erreicht, noch bevor unser Glaube wieder stark ist. Die Frage ist daher nicht, ob Jesus gegenwärtig ist – sondern ob wir langsam genug werden, ihn wahrzunehmen, ehrlich genug, unsere Leere zu benennen, und mutig genug zu antworten, noch bevor wir sicher sind, dass es der Herr ist. In diesem Sinne, bitte passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund und gesegnet!
Mit Liebe und Gottessegen,
Ihr/Euer Pater Tom.










